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Externatsbericht

einer Hebammenschülerin

Ich bin Hebammenschülerin am Vinzenz-Pallotti Hospital in Bernsberg bei Köln. Die Geburt im Wasser interessiert mich zunehmend, nachdem ich sie dort im Kreißsaal kennengelernt habe. Ich wollte mein Wissen erweitern und besonders die Wassergeburt in der Hausgeburtshilfe erleben und bewarb mich deshalb für mein Externat in der Hebammenpraxis Enning.

So reiste ich aus dem "hohen Norden" mit hohen Erwartungen an meine dreiwöchige Externatszeit nach Süddeutschland.




Externat in der Hebammenpraxis

Die schwäbische Mundart mit der mich die offene Schwangerschaftsgruppe für Haus- und Wassergeburtsfrauen empfing, erheiterte mich. Die wöchentlichen Treffen stehen unter einem Thema, zu dem ein/e Referent/in eingeladen ist. Ich konnte mir die Themen "Plazenta-Therapie", "Akupunktur bei der Geburt" und "Wassergeburt mit WATSU" anhören. Gerne hätte ich auch das Oberton- und Wehensingen, die Aromatherapie oder praktische Fragen "Wie binde ich ein Tragetuch?" in der Gruppe miterlebt.

Neben den interessanten Themen bietet der gemeinsame Nachmittag den Paaren eine Gelegenheit, sich auszutauschen und neue Ideen für ihre ganz persönliche Geburt zu sammeln. Eine gute Auswahl in ausleihbaren Filmen und Büchern unterstützt das Engagement der Frauen und hilft ihnen weiter, sich über ihre eigenen Wünsche und Erwartungen an ihre Geburt klar zu werden. Das Angebot der Hebammenpraxis Enning bietet dem "Forum für Haus- und Wassergeburtsfrauen" einen informativen Kurs zur Geburtsvorbereitung, - der auch die entstandenen Fragen beantwortet - , und einen Rückbildungs-Gymnastikkurs. Dort werden später die Erfahrungen nach der Geburt ausgetauscht. Für Hebamme Cornelia Enning entsteht ein rundes Bild der werdenden Familie, wenn sie während der Schwangerschaft auch die häusliche Umgebung der Geburt kennenlernt. Insbesondere die Frauen haben Gelegenheit, Vertrauen zu ihrer Hebamme aufzubauen, das in der engen Zusammenarbeit bei der Geburt seinen Höhepunkt findet und ganz entscheidend zur Sicheheit einer Geburt beiträgt, da es Ängste abbaut. Die Hebamme unterstützt die Vorbereitungen für eine selbstbestimmte Geburt und fördert das Körpergefühl und die Eigeninitiative der Frauen und Partner. Die Paare kommen mit den unterschiedlichsten Erwartungen in die Praxis. Einige kommen, weil sie bereits genau wissen, wie ihre Familiengeburt gestaltet sein soll. Sie suchen die Freiheit, ihre eigenen Vorstellungen durchführen zu können, fachliche Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden, eine kompetente Geburtsvorbereitung, Unterstützung bei der aktiven Geburt ihres Kindes und Rat m Wochenbett. Andere werdende Eltern bilden ihre Vorstellungen erst im Laufe der Schwangerschaft aus. In lebhaften Gesprächen diskutieren die Männer über technische Details: Befüllung der Wasserbecken, Standortwahl zwischen Bad, Küche und Wohnzimmer, hält der Fußboden das Gewicht des Wassers aus?, Tapeten mit Folie abdecken? - Mancher besorgte sogar ein Abpumpgerät für die Entsorgung des Wassers nach der Geburt. Die Paare tauschen untereinander Erfahrungen wie auch Wasserbecken aus. An dem Engagement zeigte sich uns deutlich die Identifizierung mit der Haus-/Wassergeburt, eine gute Basis zur sicheren Geburt.

Einmal zeigte ein Paar uns Fotos vom "Probebad" und während meiner Externatszeit wurden wir dreimal zur Geburt gerufen. J. hatte schon ihren ersten Sohn in der Badewanne geboren und auch für ihr zweites Kind konnte sie sich nichts anderes als eine Wassergeburt vorstellen. Ihr zweites Kind wollte sie in einem luxuriösem Planschbecken von 2,20 m Durchmesser empfangen. Die Bewegungsfreiheit im Wasser tat ihr bei den Wehen gut. Mit unserer verbalen Anleitung genoß sie es, ihr Baby ganz alleine zu gebären. Als Armins Körper ganz geboren war, nahm sie ihn aus dem Wasser heraus auf ihre Brust.

A. erlebte dagegen ihre erste Geburt. Sie hatte sich erst spät in der Schwangerschaft entschieden, ihr Kind zu Hause im Wohnzimmer auf die Welt zu bringen. Ihr Mann füllte das Wasserbecken und sie wehte mit seiner Unterstützung in ihrer vertrauten Umgebung, nur unterbrochen von unseren regelmäßigen Herzkontrollen mit dem Pinardrohr oder Fetaldoppler und aufmunternden Worten und Gesten. Im Wasser spürte sie die Wehen weniger heftig und entspannte sich völlig in den Pausen. Cornelia Enning untersucht die Gebärenden sehr selten vaginal, statt dessen fühlen die Frauen selbst zwischendurch, wie nah der kindliche Kopf schon ist. Die Bewegungen des Kindes spüren die Frauen deutlicher durch das Wasser. A. hatte die "Vier Jahreszeiten" als Musik ausgesucht, und als die Geigen den Höhepunkt erreichten, wurde Alexander von den Händen seiner Mutter geleitet, sehr sanft ins Wasser hinein geboren.

J. erwartete ihr zweites Kind und arbeitete noch an der traumatischen Ersterfahrung, die sie vor zwei Jahren durch eine Zangenentbindung mit erheblichen Dammverletzungen erlitten hatte. J. wünschte sich mit diesem Kind dringlich eine sanfte Geburt. Ihr Mann war zunächst nicht mit der Hausgeburt einverstanden. Nach einem sehr offenem Gespräch in Zusammenarbeit mit der Hebamme änderte er seine Meinung und beteiligte sich aktiv an der Vorbereitung einer Wassergeburt. Er montierte einen stabilen Haken an der Wohnzimmerdecke über dem Wasserbecken, der das Aufhängen einer Tuchschlaufe ermöglichte, in der J. es sich in den Wehenpausen bequem machten konnte. Sie hatte sich Meditationsmusik zur Geburt ausgesucht und trank große Mengen Yogi-Tee. Ihr Mann saß dicht bei ihr im aufblasbaren Becken mit stabilem Rand und massierte Schultern und Rücken und unterstützte sie bei der Wehenarbeit. Nach wenigen Stunden wurde Jonas mit fast vier Kilogramm langsam und schonend für sich und seine Mutter ins Wasser geboren.

Die Babys wurden erst spät abgenabelt und die Plazenten im Wasser geboren. Die erste intensive Zeit nach der Geburt gehörte den Eltern mit ihren Kindern. Die Mütter legten die Neugeborenen noch im Wasser an. Das Stillen im Wasser ist auch später sehr empfehlenswert. "Im Warmen Wasser fließt die Muttermilch besonders gut und das Kind braucht nicht so stark zu saugen. Es kann sich im Wasser sehr viel besser entspannen und so meist viel mehr trinken." (C.Enning: Erlebnis Wassergeburt, vgs-Verlag, S. 116).

Alle drei Wöchnerinnen schonten sich im Wochenbett und es verlief komplikationslos für sie und die Babys in der häuslichen Umgebung, die Mutter und Kind die Adaption an ein neues Leben in der Familie erleichterte. Ein Elternpaar ließ sich von der Hebamme das Wassertraining in der Badewanne zeigen. Ich beobachtete, wie die Hebamme vom Atemrythmus des Babys geleitet, die Wiegebewegungen und Tauchgänge durchführte. Unter Anleitung der Hebamme trauten sich die Eltern selbst das Wassertraining zu und erlebten die Vorteile, die in der motorischen Entwicklung und Kommunikationsfreudigkeit der Kinder liegen. Später werden die Eltern beim Wasserbaby-Treffen im Hallenbad dabei sein.

Die hohen Erwartungen, die ich an mein Externat gestellt hatte, wurden mehr als erfüllt. Besonders beeindruckt haben mich die Geburtserlebnisse der "unassisted birth". Das Erfahren der eigenen Kraft speziell bei der Geburt, ist für die meisten Frauen so ermutigend, daß sie auch später nach der Geburt aus ihr schöpfen werden. Diese Art der Geburtshilfe, die Hilfe zur Selbsthilfe, die weder das Kind noch die Mutter zu hilflosen "Geburtsobjekten" macht, könnte einen neuen und befriedigenderen Weg für eine präventive Geburtshilfe aufzeigen.
J. A.




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